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Nichts gegen Guy Parmelin, aber …
… wie viele Gläser seines Chasselas hatte der Bundesrat und Winzer eigentlich intus, als er sich die neue Verordnung zum Weinimport ausdachte?
Bilanz 06/2026
von Marc Kowalsky
Da sollen die Importkontingente für Wein in Zukunft also nicht mehr wie bisher an die 4500 Weinhändler vergeben werden, sondern an die rund 90 Keltereien im Land, die Schweizer Weintrauben kaufen und verarbeiten. Die dürfen die Kontingente dann an Weinhändler verkaufen, absehbarerweise verbunden mit der Auflage, dass diese für jeden Importwein auch eine Flasche Schweizer Wein abnehmen.
So will man die schwerverkäufliche einheimische Plörre an den Mann bringen. Das ist so, als würde die «New York Times» erst am Kiosk aufgelegt werden dürfen, wenn der «Blick» ausverkauft ist. Oder wenn man erst zwei Wochen Ferien in Zürich-Schwamendingen machen müsste, bevor man auf die Malediven darf. Absurd? Nicht für Parmelin und Philippe Rouvinez, Walliser Traubenverarbeiter und Hauptlobbyist der neuen Regelung (er war 2023 übrigens Gegenstand eines Strafverfahrens, weil er Weine mit Zucker gepanscht hatte, und musste Tausende Flaschen vernichten).
Nach einem Gutachten des Wirtschaftsanwalts Peter Nobel ist die Verordnung widerrechtlich, weil sie einen Eingriff in die Handels- und Gewerbefreiheit darstellt und gegen die WTO-Normen verstösst. Vor allem aber verstösst sie gegen den gesunden Menschenverstand. Fakt ist doch: Die guten Schweizer Tropfen verkaufen sich von selbst, auch zu stolzen Preisen, und meist direkt ab Hof. Es sind die kellergezüchteten Belanglosigkeiten, von denen es viel zu viele gibt, die nicht mehr den Geschmack der Zeit treffen. Der Weinkonsum geht in ganz Europa massiv zurück, das Bordelais hat in den letzten drei Jahren 20 Prozent seiner Anbauflächen reduziert, aber die Schweiz zählt noch genauso viele Rebberge wie in den 1990er-Jahren. Viel sinnvoller als Parmelins Suffidee wäre eine Abgabe pro importierte Flasche. Um damit den Strukturwandel, aber auch den Export zu unterstützen. Santé!
Guy Parmelin (66) ist Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung.