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Philipp Schwander in den Medien
Kampagne gegen moderaten Alkoholkonsum - WHO der Lüge überführt
Seit einigen Jahren betreibt die WHO eine rigorose Kampagne gegen moderaten Alkoholkonsum. Das erklärte Ziel: eine „Vision Zero“. Widerspruch will man keinen. Deshalb werden aktuelle Studien, die nicht ins Konzept passen, einfach verschwiegen.
Cicero, Magazin für politische Kultur, 14. April 2026 Gastbeitrag Philipp Schwander
Um den Kritikern zuvorzukommen: Ja, ich bin Weinhändler. Die nachfolgend aufgeführten Erkenntnisse basieren jedoch auf den mehrjährigen detaillierten Untersuchungen von Prof. em. Dr. med. Joseph Osterwalder, Master of Public Health, der sich seit über 30 Jahren mit dem Thema „Alkoholkonsum und Gesundheit“ beschäftigt. Neben seinem profunden Fachwissen und seiner Tätigkeit als ehemaliger Chefarzt und Pionier der Notfallmedizin im deutschsprachigen Raum verfügt er auch über einen breitgefächerten klinisch-epidemiologischen Hintergrund.
Wenigen ist bekannt, dass eine Folgestudie aus dem Jahr 2022 in der gleichen Fachzeitschrift den zentralen Ergebnissen der bereits vorgestellten und viel beachteten Lancet-Schlüsselstudie von 2018 widerspricht. Die neue Untersuchung zeigt ein gegenteiliges und deutlich differenzierteres Bild: Für Menschen über 40 Jahre wird die bekannte J-förmige Risikokurve bestätigt, wonach leichter bis mäßiger Alkoholkonsum mit einem geringeren Risiko einhergeht als völlige Abstinenz und somit eine Schutzwirkung aufweist. Erst bei höherem Konsum steigt das Risiko an.
Aus der Studie geht zudem hervor, dass die Auswirkungen des Alkoholkonsums stark vom Alter abhängen. So treten beispielsweise bei einem 80-jährigen Mann selbst bei täglich fast einem halben Liter Wein keine gesundheitlichen Nachteile gegenüber einer abstinenten Person auf. Trotz dieser neuen Erkenntnisse wird die pauschale Warnung, jeder Tropfen Alkohol sei schädlich, weiterhin mit Verweis auf die prominente Vorgängerstudie verbreitet. Die neue Studie hingegen wird, wie so viele aktuelle Studien, schlicht ignoriert.
Gewichtige Stimmen werden von der WHO schlicht ignoriert
Ebenfalls bleiben die neuestenErkenntnisse der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) von 2025 von der WHO unerwähnt. NASEM hat im Auftrag der US-Regierung eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu den wichtigsten aktuellen Studien erstellt und eine niedrigere Gesamtsterblichkeit sowie ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden. Im Juli 2025 veröffentlichte die American Heart Association, die weltweit führende Institution für Empfehlungen im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Prävention, eine evidenzbasierte Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen mäßigen Alkoholkonsums auf der Grundlage der aktuell verfügbaren Studien. Dabei hob auch sie die potentiell positiven Effekte auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und plötzlichen Herztod hervor.
Dass derart gewichtige Stimmen von der WHO schlicht ignoriert und unter den Teppich gekehrt werden, wirft kein gutes Licht auf die Organisation. Statt sich mit den Argumenten der Gegenseite sachlich auseinanderzusetzen, wird eine ideologisch geprägte Agenda verfolgt, die von vielen staatlichen Institutionen und NGOs unterstützt wird. Verkapptes Ziel ist es nämlich, Alkohol in dieselbe Ecke wie Zigaretten zu schieben, obwohl immer mehr aktuelle Studien die positiven Effekte maßvollen Alkoholkonsums hervorheben. Auch als Gesundheitsprävention verbrämte, aus dieser neuen Politik begründete Steuererhöhungen dürften daraus folgen. Die WHO hat dafür zumindest schon Vorschläge ausgearbeitet.
Wie unsinnig die Aussage ist, dass es „keine sichere Menge Alkohol gibt und deshalb entsprechende Warnungen auf alkoholischen Getränken angebracht werden müssen“, erläutern zwei kleine, ähnlich gelagerte Beispiele: Mehrstündige Flugreisen erhöhen das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien, Vielfliegen kann bei Frauen sogar zu einer Zunahme von Brustkrebs führen. In Kartoffeln und Getreide bildet sich beim Erhitzen auf über 120 °C Acrylamid, eine krebserregende Substanz, für die sich nicht mit Sicherheit bestimmen lässt, bis zu welcher Menge sie als gesundheitlich unbedenklich gilt. Es gäbe zahlreiche weitere Beispiele aus dem Alltag, bei denen – analog zum Alkohol – künftig Warnhinweise angebracht werden müssten.
Auch die Aussage, es sei kein echter gesundheitlicher Effekt zu erkennen, ist wissenschaftlich unhaltbar. Gerne wird hierzu der prominente deutschsprachige Verfechter der WHO-Empfehlungen, Prof. Helmut Seitz, angeführt. Zitiert werden seine theoretischen und laborbasierten Versuche zur Entstehung alkoholbedingter Erkrankungen. Zell- und Tierexperimente können jedoch Studien am Menschen nicht ersetzen. Für eine belastbare Evidenz sind in jedem Fall prospektive, randomisierte Studien erforderlich. So ging man beispielsweise früher davon aus, Betablocker – Medikamente, welche die Herzfrequenz und die Pumpkraft des Herzens senken – seien bei Herzschwäche hochriskant. Heute weiß man jedoch dank eingehender klinischer Studien, dass Betablocker bei den meisten Patienten mit chronischer Herzschwäche sogar zur Entlastung des Herzens beitragen.
Wie begründet die WHO ihren drastischen Kurswechsel?
Während sich der Fokus ehemals auf den hohen Alkoholkonsum richtete, zielt die neue Strategie der WHO nun auf den leichten und moderaten Konsum ab. Ohne irgendwelche Beweise vorzulegen, wird einfach behauptet, dass bereits kleinste Mengen Alkohol schädlich seien und es keine unbedenkliche, geschweige denn förderliche Dosis gebe. Die Frage ist: Wie begründet die WHO ihren drastischen Kurswechsel? Die WHO hat dazu leider weder die Berater der Expertengruppe noch den Entscheidungsprozess transparent gemacht. Es wird auch nicht kommuniziert, welche wissenschaftlichen Untersuchungen die Grundlage für ihre neuen Richtlinien bilden. Man darf jedoch annehmen, dass Mitglieder des kanadischen Low-Risk Alcohol Drinking Guidelines Scientific Expert Panel an deren Ausarbeitung beteiligt waren.
Diese Experten sind jedenfalls für die gegenwärtigen Empfehlungen der kanadischen Regierung verantwortlich, die jeglichen Alkoholkonsum als gesundheitsbedenklich einstufen. Eine zentrale Figur ist dabei Tim Stockwell, der einen Abschluss in Psychologie und Philosophie hat und dem von verschiedenen Wissenschaftlern vorgeworfen wird, nur jene Studien herauszupicken, die seine einseitigen Ansichten stützen. Er hat auch die aktuelle Position der WHO maßgeblich mitgeprägt. Stockwell steht vielen NGOs und der Movendi-Organisation nahe, die ihren Ursprung in der Guttempler-Sekte hat. Er veröffentlichte für sie gegen Bezahlung verschiedene Berichte. Die Vereinigung ist – auch das illustriert die Voreingenommenheit der WHO – offizieller Partner der Organisation und beeinflusst ihre Alkoholpolitik weit stärker, als bekannt ist. Movendi gilt in ihrer Ausrichtung bei vielen Fachleuten als neo-prohibitionistisch und einseitig moralisch geprägt. Stockwells Jünger, Tim Naimi, ist ebenfalls Berater verschiedener NGOs und schlug mehrfach radikale Richtlinien vor, die sogar von der kanadischen Regierung wegen fehlender wissenschaftlicher Beweise verworfen wurden.
Gestatten Sie mir, drei Beispiele aus vielen herauszugreifen, um aufzuzeigen, wie absurd der ideologische Anti-Alkohol-Kurs der WHO ist. Erstes Beispiel: Das Hauptargument, weshalb die alten Studien, die positive gesundheitliche Effekte postulierten, nicht mehr gültig sein sollen, beruht auf dem sogenannten Abstinenzbias, wonach Krankheit und Alter zum Verzicht auf Alkohol führen und ehemals konsumierende Probanden innerhalb der Abstinentengruppe eine Verschlechterung des untersuchten Gesundheitszustandes verursachen. Das kann sein. Eine weit gravierendere, aber von der WHO praktisch nie thematisierte Fehlerquelle ist das sogenannte Underreporting oder der Recall-Bias – also die systematische Unterschätzung des tatsächlichen Alkoholkonsums in den Studien, die selbst Tim Stockwell in einer Untersuchung bestätigte. Dieser Effekt führt dazu, dass die gesundheitlichen Risiken des mäßigen Alkoholkonsums überschätzt werden. Die konsumierte Alkoholmenge basiert auf freiwilligen und subjektiven Angaben. Mehrere große Untersuchungen zeigen, dass der Alkoholkonsum jedoch sehr oft verharmlost und viel zu niedrig eingeschätzt wird. Dieser Tatsache tragen die neuen Studien (außer bei der Mendelschen Randomisierung, jedoch mit anderen methodischen Mängeln) nicht oder nur ungenügend Rechnung.
Eine Vermischung unterschiedlichster Studienbedingungen
Das Underreporting ist ein permanent vorkommender systematischer Fehler in der Kommunikation der konsumierten Alkoholmenge. In einer großen kanadischen Umfrage unter 43.371 Personen wurde das Underreporting, d.h. die Angabe von viel zu niedrigen Konsumationsmengen, auf satte 75 Prozent geschätzt. Das bedeutet, dass sich der Konsum bei einem erfassten Wert von beispielsweise gesamthaft 2,5 Millionen Litern tatsächlich auf 10 Millionen Liter belaufen kann! So führte eine weitere Untersuchung mit 127.176 Teilnehmern in den USA zur Schlussfolgerung, dass die vermeintliche Erhöhung von Krebsfällen bei leichtem bis mäßigem Alkoholkonsum auf ebendieses Underreporting zurückzuführen sei, was eine massive Überschätzung des Risikos zur Folge hatte. Zweites Beispiel: Ein weiterer Trick der WHO, mit dem die vorteilhaften Auswirkungen des moderaten Alkoholkonsums auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen beseitigt werden können, ist neu der Fokus auf globale Studien, die Drittwelt- oder Schwellenländer miteinbeziehen. So wird man in einem Entwicklungsland mit einem hohen Anteil junger Menschen kaum positive kardiovaskuläre Effekte durch Alkoholkonsum feststellen können – die Leute sind schlicht zu jung, um entsprechende Krankheiten zu entwickeln. Dafür sterben sie oft sehr früh, weil die Hygiene und die Qualität der konsumierten alkoholischen Getränke schlecht sind oder weil es zu schweren Unfällen und Gewalttaten kommt.
Globale Untersuchungen wie die Lancet-Studie von 2018 behandeln sämtliche Länder als kollektive Einheit, ungeachtet ihrer enormen demographischen, kulturellen und sozioökonomischen Unterschiede. Aus diesem Potpourri von Störfaktoren und ungleichen Studiendesigns resultiert dann die abenteuerliche Schlussfolgerung, dass bereits ein einziger Drink für alle Menschen bedenklich sei. Wissenschaftlich ist eine solche Vermischung unterschiedlichster Populationen, Lebensumstände und Studienbedingungen höchst problematisch.
Das tatsächliche Risiko erhöht sich um 0,004 Prozent – im statistischen Streubereich
Drittes Beispiel: Wären Sie nicht irritiert, würden am Skilift oder auf Bergwanderwegen große Warnschilder mit dramatischen Bildern von Schwerverletzten auf die Gefahren sportlicher Betätigung hinweisen? Etwa im Stil von: „Sport kann zu schweren Verletzungen führen oder Sie umbringen“. Genauso realitätsfern wie eine Warntafel am Skilift ist das, was sich jetzt die WHO vorgenommen hat, um den moderaten Alkoholkonsum zu bekämpfen. Bitte lassen Sie mich dies näher erläutern: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine erwerbstätige Person in der Schweiz pro Jahr einen Unfall in der Freizeit erleidet, liegt zwischen 11 und 13 Prozent, davon entfallen 3 bis 4,5 Prozent auf schwere Unfälle, welche die Gemeinschaft finanziell und emotional stark belasten. Wirft man nun einen Blick auf die aktuellen Medienschlagzeilen zum Thema Alkohol, kommt blanke Panik auf. Gerne wird die Lancet-Studie von 2018 bemüht, in der es heißt, dass bereits ein Alkoholdrink pro Tag (z.B. ein Glas Wein) gefährlich sein kann und das relative Risiko von alkoholbedingten Krankheiten um rund 0,5 Prozent erhöht. Nicht auszudenken, was passiert, wenn ich mir als Weinfreund vier Gläser pro Tag genehmige.
Relatives und absolutes Risiko sind jedoch zwei völlig verschiedene Größen, und wer die Studie aufmerksam liest, wird Folgendes entdecken: Von 100.000 Abstinenten hatten nach einem Jahr 914 Personen ein gesundheitliches Problem. Bei jenen 100.000, die täglich ein Glas Wein trinken, waren es vier Personen mehr. Eine wahrlich vernachlässigbare Zahl, die mutmaßlich noch im statistischen Streubereich liegt. Das tatsächliche Risiko erhöht sich laut dieser gern zitierten Studie also um 0,004 Prozent. Genau. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: 0,004 Prozent oder 1:25.000. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens (80 Jahre) vom Blitz getroffen zu werden, liegt zwischen 1:15.000 und 1:30.000. Oder anders ausgedrückt: Das Risiko einer gesundheitlichen Schädigung in der Freizeit gegenüber dem Genuss eines täglichen Glases Wein ist rund 3000-mal (!) höher. Bei zwei Gläsern Bier oder Wein pro Tag steigt die theoretische Wahrscheinlichkeit übrigens auf wahnsinnige 0,063 Prozent.
Fazit: Die derzeit von der WHO angezettelte rigide Anti-Alkohol-Kampagne entbehrt in weiten Teilen einer differenzierten, wissenschaftlich fundierten Grundlage. Vieles bleibt pauschale Behauptung statt sorgfältig belegter Wissenschaft. Eindeutigere wissenschaftliche Antworten wird der derzeit in Spanien laufende UNATI-Trial liefern, eine groß angelegte, methodisch hochwertige und randomisierte prospektive Studie. Erste Ergebnisse werden frühestens in etwa zwei Jahren erwartet. Unbestritten ist: Ein hoher und problematischer Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich, in schweren Fällen sogar tödlich – dasselbe gilt aber auch für Sport. Ebenso können Menschen mit einem Küchenmesser oder einem Auto getötet werden. Diese Gegenstände und Aktivitäten deswegen verbieten zu wollen, wäre genauso absurd wie die aktuell überzogene Strategie, moderaten Alkoholkonsum zu verteufeln.
Detaillierte Informationen, darunter ein ausführlicher Beitrag von Prof. Osterwalder in der schweizerischen medizinischen Fachzeitschrift Praxis vom Januar 2026, wie auch die wichtigsten medizinischen Studien, können auf der Website der Selection Schwander unter Masters of Wine/Alkohol & Gesundheit heruntergeladen werden.