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Bund will Schweizer Winzer stärken – «eine absolute Katastrophe für den Weinhandel»
Wer künftig ausländischen Wein vergünstigt importieren will, muss auch Schweizer Trauben verarbeiten. Weinhändler warnen.
Tagesanzeiger 12.03.2026
Artikel: Simon Angelo Meier Foto: Rahel Zuber
Schweizerinnen und Schweizer trinken immer weniger Wein, besonders die Jungen. Das entspricht zwar den aktuellen Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Fragen zu Sucht und Prävention, welche Anfang März frühere Empfehlungen zu moderatem Alkoholkonsum für überholt erklärte. Doch befindet sich dadurch gleichzeitig der Schweizer Weinhandel in der Krise.
Der Bundesrat will darum den angeschlagenen Schweizer Weinbau stützen – und greift dafür in den Importmechanismus ein. Bislang galt beim Zugang zu vergünstigten Einfuhrkontingenten das sogenannte Windhundprinzip: Wer als Erstes eine Eingabe machte, sicherte sich die Kontingente mit den tiefsten Zöllen. Künftig sollen diese Kontingente nur noch an Betriebe gehen, die selber Schweizer Trauben einkaufen und verarbeiten. Dies hat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung von Bundespräsident Guy Parmelin in der am Mittwoch eröffneten Vernehmlassung zur Weinverordnung kommuniziert. Damit knüpft der Bund die Erlaubnis, ausländische Weine wie Barolo oder Bordeaux zu bevorzugten Bedingungen einzuführen, an ein konkretes Engagement in der inländischen Wertschöpfungskette.
Das Ziel sei klar, erklärt Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, gegenüber SRF: «Dieses System soll die Stellung der Winzerinnen und Winzer stärken. Sie erhalten Importzertifikate, die sie dann auch weitergeben können.» Anders als heute läge der Schlüssel zu den zollbegünstigten Importen damit nicht mehr bei schnellen Importeuren, sondern bei jenen, die auch Schweizer Trauben keltern. In einer Branche, in der volle Keller, stockende Verkäufe und ein harter Wettbewerb mit ausländischen Anbietern die Lage prägen, erhofft sich der Bund so, die Nachfrage nach einheimischer Produktion zu stützen.
Weinpapst Philipp Schwander: «Absolute Katastrophe für den Weinhandel»
In weiten Teilen des Handels stösst der Vorstoss jedoch auf scharfen Widerstand. Für Philipp Schwander, einen der bekanntesten Weinhändler des Landes, wäre das System «eine absolute Katastrophe für den Weinhandel, der notabene etwa zehnmal mehr Leute beschäftigt als die Weinbauern». Er kritisiert, die Massnahme setze an der falschen Stelle an: «Unter den 2500 Winzern hat auch nur eine Minderheit Absatzprobleme. Ihre Weine sind einfach nicht marktfähig.» Die geplante Koppelung von Importrechten an den Kauf und das Pressen von Schweizer Trauben verschiebe die Marktmacht, treibe den administrativen Aufwand in die Höhe und gefährde aus seiner Sicht Angebotsvielfalt und Preisstabilität.
Ähnlich äussert sich die Vereinigung Schweizer Weinhandel. Deren Direktor Olivier Savoy spricht von einem «weltfremden Vorschlag», der weder die Marktmechanismen noch die Interessen der Konsumentinnen und Konsumenten berücksichtige. Den rückläufigen Weinkonsum verortet er im gesellschaftlichen Wandel – darauf müsse die Branche mit Innovation, nicht mit Protektionismus reagieren. «Die Weinbranche kommt nicht darum herum, sich ständig neu zu erfinden: neue Produkte kreieren und verkaufen, neue Märkte erschliessen», erklärte Savoy gegenüber SRF. Die Qualität der Schweizer Weine sei unbestritten, deshalb brauche es «keine staatlichen Krücken», um die Branche zu tragen.
Neue Weinverordnung: Guy Parmelin entscheidet kommenden Herbst
Mit der Reform würde sich die Logik des Importgeschäfts grundlegend ändern. Importkontingente wären nicht mehr primär eine Frage der Geschwindigkeit, sondern an eine Leistung zugunsten der heimischen Produktion gebunden. Produzierende Betriebe erhielten damit ein handelbares Instrument, während reine Importeure künftig Zertifikate zukaufen müssten. Befürworter versprechen sich davon stärkere Anreize, Schweizer Trauben abzunehmen, Kritiker warnen vor Verzerrungen zulasten des Wettbewerbs und vor höheren Hürden für den Handel – mit möglichen Folgen für Preise und Auswahl im Regal. Der Vorschlag geht nun in die Vernehmlassung. In den kommenden Monaten können Kantone, Verbände und weitere Akteure Stellung nehmen. Ob und in welcher Form die neuen Regeln eingeführt werden, entscheidet der Bundesrat voraussichtlich kommenden Herbst.