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Philipp Schwander in den Medien
Philipp Schwander: «Ich kaufte mit einem Freund zusammen insgesamt 18 Oldtimer»
Er fürchtet sich vor Weinen die nach Sauerkraut schmecken und nimmt morgens einen Ginger Shot. Im Interview spricht Weinpapst Philipp Schwander über unerfüllte Träume und seine aktuellen Projekte.
Unspektakulär: Wenn ich nicht auf Reisen bin, nehme ich einen Espresso und einen Ginger Shot. Dazu lese ich die NZZ. Nachher gehe ich die Mails durch.
Was ist das Beste an Ihrem Beruf?
Ich liebe es, mit unterschiedlichsten Personen in Kontakt zu sein. Als Weinhändler ist das ein Paradies; Sie haben Kontakt zu sehr vielen interessanten Persönlichkeiten. Ein grosses Geschenk.
Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?
Mit 16 trank ich mit meinem Vater einen Lafite-Rotschild 1964. Obwohl Lafite in diesem Jahr Probleme mit dem Regen hatte, schmeckte dieser Wein für mich absolut wunderbar, ein sublimer Duft nach Rosen. Der Wein war wohl einer der Auslöser für meine Weinleidenschaft.
Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?
Zurzeit besitze ich noch viel zu viele Autos. Ich kaufte mit einem Freund zusammen insgesamt 18 Oldtimer. Irgendwann merkten wir, dass wir die Autos viel zu selten fahren. Und ich lernte: Mein Ding sind Druckgraphiken, aber nicht Oldtimer. Geschäftlich fahre ich einen Mercedes-Maybach, der wie eine Uhr läuft, obwohl er 380'000 km auf dem Tacho hat
Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?
Sich genügend Zeit für die wahren Freunde nehmen. Schauen, dass das Körpergewicht nicht zu barocke Ausmasse annimmt. Spanisch lernen.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf die gelungene Renovation meines Barockschlösschens Freudental – eine wahrlich grosse Herausforderung, nicht nur finanziell. Ausserdem bin ich stolz auf meine Druckgraphik-Sammlung.
Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?
Probleme aufschreiben und setzen lassen. Mit guten Freunden ein Glas Wein trinken.
Was ist Ihr Lieblingswein?
Das sind die ganz grossen Burgunder aus Vosne-Romanée (bei den Roten) und die besten deutschen Rieslinge (bei den Weissen). Und emotional gehört mein Herz natürlich auch meinem eigenen Wein aus dem Priorat, der übrigens exzellent ist.
An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
Wir leben in einer seltsamen Zeit: Drogen werden liberalisiert und verharmlost, das Glas Wein jedoch wird von militanten Ideologen dämonisiert. Ich bemühe mich deshalb zur Zeit, die Anti-Alkohol-Bewegung etwas einzudämmen und das Bewusstsein für Wein als ein wichtiges Kulturgut zu wecken. Zudem versuchen Beni Würth und ich einmal mehr, die protektionistischen Bemühungen einiger weniger Schweizer Weinproduzenten in vernünftige Bahnen zu lenken.
Was bewundern Sie an anderen Menschen?
Dass sie sportlich sind und ihre Agenda nicht überfrachten.
Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?
Dass der Besuch von Weingütern, die sorgfältige Prüfung ihrer Weine und die ausgedehnten Mittagessen nicht Ferien sondern harte Arbeit sind.
Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?
Das stete Bemühen, etwas möglichst perfekt zu machen. Ich bin ein Qualitätsfetischist. Ich verabscheue zutiefst Pfusch und schlechte Qualität!
Wovor fürchten Sie sich?
Vor ausufernden Menüs in Gourmet-Lokalen mit Schicki-Micki Küche, dazu ein paar Naturweine, die nach Sauerkraut riechen.
Ihre Lieblingsuhrenmarke?
Ich hatte schon immer ein Faible für hochwertige Uhren. Da ich ein unüblich dickes Handgelenk habe (21 cm), passen mir besser grössere, massive Uhren. Aus diesem Grund trage ich gerne und oft Rolex, zum Beispiel die Yacht Master II (die Daytona ist für mich fast zu zierlich). Daneben liebe ich aber auch die Uhren von Patek Philippe (die neue Cubitus ist sensationell), Vacheron Constantin und Jaeger-leCoultre.
Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?
Einen kleinen Teil meiner Druckgraphik-Sammlung ausstellen. Ich besitze Arbeiten von der Renaissance bis in die heutige Zeit.
Ihr bestes Investment?
Mein bestes (emotionales) und zugleich schlechtestes (finanzielles) Investment ist Schloss Freudental am Bodensee.
Philipp Schwander bestand 1996 als erster Schweizer die Master-of-Wine-Prüfung, die als eine der schwierigsten weltweit gilt. Nach einem BWL-Studium leitete er den Weineinkauf bei Martel in St.Gallen und später das Weinhaus Albert Reichmuth in Zürich. 2003 gründete er die Selection Schwander, einen der führenden Schweizer Weinimporteure. Schwander schreibt für die NZZ, war Dozent an der österreichischen Weinakademie und ist zudem Hobby-Winzer und -Hotelier.