Die Anbauregion Rías Baixas im vom Atlantik geprägten Galizien ist bei uns noch wenig bekannt. Ganz anders in Spanien: Dort sind ihre Weine gross in Mode. Die bei weitem besten Ergebnisse liefert die lokale Traubensorte Albariño, deren Gewächse in der gehobenen Gastronomie als Begleiter zu Fisch und Meeresfrüchten hochgeschätzt sind. Mit rund 2000 Millimetern Niederschlag pro Jahr ist das von einer üppigen Vegetation geprägte Rías Baixas eine Ausnahmeerscheinung im sonst regenarmen Spanien. Kühle Atlantikbrisen und die charakteristische Pergola-Erziehung sorgen für ideale Bedingungen zur Kultivierung der Albariño-Reben; sie gedeihen hoch über dem Boden, wodurch die Luft zirkulieren und die Feuchtigkeit keine Schäden anrichten kann. Überdies speichern die kieselreichen Böden tagsüber die Wärme und geben sie nachts wieder ab.
Fillaboa gehört der Familie Masaveu, die auch Eigentümerin von Murua ist, und zählt zu den besten und berühmtesten Betrieben Galiziens. Isabel Salgado, Chefin des rund 70 Hektar grossen Betriebs, gilt in der Szene als regelrechte Star-Winzerin. So ist Fillaboa als einziges galizisches Weingut Mitglied der prestigeträchtigen Vereinigung ‹Grandes Pagos de España›. Exportdirektorin Loretta Fernández erklärt anlässlich unseres Besuches die Besonderheiten des Albariño: «Diese Rebsorte lebt von ihrer Herkunft, dem Atlantik, den Böden, dem milden Klima mit genügend Regenfällen – und von der sehr sorgfältigen Weinbergsarbeit, denn nachlässige Pflege goutiert sie nicht. Wir konzentrieren uns seit vielen Jahren aus purer Begeisterung ausschliesslich auf diese autochthone, vorzügliche
Sorte.»
Die Jahrgänge zeigen sich differenziert, wenn auch weniger ausgeprägt
als in kontinentalen Regionen. Bereits der 2023er Albariño
überzeugte mit saliner Frische und Klarheit, während sich der exzellente
2024er nochmals lebendiger und von bemerkenswerter
Finesse präsentiert – ein Albariño, wie man ihn sich klassischer
kaum wünschen kann. Formidabel ist die ambitionierte ‹Selección
Finca Monte Alto›, ein Einzellagen-Albariño, der während zwölf
Monaten auf der Feinhefe reifte und sich dicht, würzig und von
beeindruckender Tiefe zeigt: ein herausragendes Gewächs und
zweifellos einer der besten Botschafter dieser Region.